Chronische Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen – der volkswirtschaftliche Schaden wird zwischen 15 und 30 Mrd. EUR jährlich geschätzt.

Chronische Schmerzen

"Die Muskulatur ist das reagibelste Element des Bewegungsapparats" (Prof. Dr. med. C.Lewit)

In der Regel spricht man von chronischen Schmerzen, wenn die Beschwerden länger als 10-12 Wochen bestehen. Viele Prozesse (z. B. eine Sensibilisierung der Nerven, das Einnehmen einer Schon- und Fehlhaltung, vermehrte Überlastung anderer Strukturen, etc.) die ein Schmerzgeschehen ungünstig beeinflussen, können sich dann noch zusätzlich negativ auf den sonstigen Heilungsprozess auswirken. Aus einem akuten relativ überschaubaren Schmerz hat sich ein kompliziertes Krankheitsbild entwickelt, das nicht mehr nur mit einfachen Mitteln erfolgreich behandelt werden kann. Es hat sich bewährt, mit so genannten "multimodalen" Therapieverfahren, das heißt mit Therapeuten aus verschiedenen Fachrichtungen, komplizierte chronische Schmerzen zu behandeln.

Im Rahmen dieses Textes kann nur kurz auf den Aspekt der Muskulatur, die aber bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates sehr bedeutend ist, eingegangen werden.

Bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparats ist eine Beteiligung der Muskulatur zu erwarten: Die Muskulatur reagiert auch auf Schädigungen anderer Strukturen, z.B. bei einem Bandscheibenvorfall. Das ist in der Medizin auch allgemein anerkannt und spiegelt sich unter anderem in der Akzeptanz von Muskelverkürzungen und Muskelschwächen wider. Die Ursache der Symptome (die primäre Pathologie) ist aber umgekehrt auch häufig in der Muskulatur selbst zu suchen. Diese Erkenntnis ist noch immer bei Therapeuten und Ärzten nicht weit verbreitet.

Auf den folgenden Seiten werden Sie erfahren, wie chronische Schmerzen verschiedener Körperregionen mit Störungen der Muskulatur und dem umgebenden Bindegewebe (den myofaszialen Strukturen) zusammenhängen, wie dieser Zusammenhang diagnostiziert werden kann, und welche Therapieansätze es gibt.