Chronische Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen – der volkswirtschaftliche Schaden wird zwischen 15 und 30 Mrd. EUR jährlich geschätzt.

Knieschmerzen

Knieschmerzen sind nicht nur eine Problematik des höheren Lebensalters, sondern können auch in der Jugend auftreten. Die Ursachen sind vielfältig und bedürfen einer genauen medizinischen Abklärung.

Schmerzursachen: Verletzungen und Überlastungen

Das Knie ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers, und häufig bei Unfällen verletzt, wie man aus den Medien gerade bei Sportverletzungen erfahren kann. Bei einem Unfall steht die schnelle orthopädische-unfallchirurgische Untersuchung der Verletzung und gegebenenfalls bildgebende Diagnostik im Vordergrund. Es gilt eine Verletzung der Gelenkstrukturen (Bänder, Menisken, Knorpel oder Knochen) auszuschließen. Bei einem adäquaten Unfallereignis finden sich entsprechende Verletzungsschäden. Dann stehen Behandlungsverfahren im Vordergrund, die eine bestmögliche Wiederherstellung des strukturellen Schadens erzielen. Die häufigsten Knieschmerzen entwickeln sich nach Überlastungen, die über die Belastungsgrenze der Kniestrukturen hinausgeht. Hierzu müssen vor allem die Muskeln, die das Knie bewegen und stabilisieren, mit untersucht werden.

Wie bei allen Gelenken sind die wichtigen Strukturen die knorpeligen Gelenkflächen, die sich auf dem einfachen Röntgenbild nicht direkt darstellen lassen.  Eine Kernspinuntersuchung (MRT) des Kniegelenkes erkennt die Strukturen des Meniskus und Knorpels gut, zeigt aber keine Unterschiede bei krankhaften Veränderungen bei Menschen mit oder ohne Knieschmerzen. Nur stark ausgeprägte Veränderungen korrelieren mit den Beschwerden des Patienten.

Kniescheibenschmerzen

Noch vor wenigen Jahren wurde angenommen, dass die häufigste Ursache von Schmerzen um die Kniescheibe eine krankhafte Veränderung des Kniescheiben-Knorpels sei, und entsprechende Diagnosen gestellt (Chondropathia patellae). In den letzten Jahren hat sich die wissenschaftliche Erkenntnis durchgesetzt, dass die funktionellen Aspekte im Vordergrund stehen. Ein wichtiger Ansatz ist hier vor allem die Muskulatur des M. Quadriceps, an dem die Kniescheibe wortwörtlich aufgehängt ist. Dysbalancen der Anteile dieses Muskels können zu typischen Knieschmerzen führen. Dieser Typus ist besonders oft bei Jugendlichen und Sportlern zu finden. Einige Diagnosen beziehen sich dann oft auf die Lokalisation des Schmerzes (Patellaspitzen-Syndrom = Jumper´s Knee), und werden für alle Beteiligten frustrierend nur an der lokalen Schmerzstelle behandelt. Myofasziale Triggerpunkte sind hier meist die Ursache und sorgen sowohl für ein Ungleichgewicht der Muskulatur, die die Kniescheibe führt, als auch für lokale Schmerzen. Lesen Sie mehr über Sehnenansatzschmerzen.

Meniskusschmerzen?

Die meisten Menschen, die unter Knieschmerzen leiden, haben schon einmal etwas von den Menisken gehört, die als eine Art Scheibe zwischen dem Oberschenkel und Unterschenkel innen- und außenseitig gelegen sind. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um einen knorpeligen Puffer, der starken Druckkräften ausgesetzt ist, und auch verschleißen und einreißen kann. Bei einem jungen Menschen sollte schon ein adäquates Unfallereignis vorliegen, damit ein ansonsten gesunder Meniskus einreißt. Viel häufiger ist gerade bei Sportlern ein Schmerz, der nicht durch einen Unfall verursacht ist, sondern durch eine Überlastung. Eine solche Überlastung kann auch schon das Laufen auf einem ansonsten ungewohnten Untergrund sein ( z. B. nasser Rasen, Sandstrand).  Auch diese Schmerzen werden von dem Patienten in dem Bereich des Kniegelenkes wahrgenommen, wo sich die Menisken am inneren und äußeren Gelenkspalt befinden.

Eine spezifische Knieuntersuchung mit „Menikustestung (über 20 verschiedene Tests beschrieben)“ ist unerlässlich. In vielen Fällen stellt sich aber eine Problematik im Bereich der Sehnenansätze der knieführenden Muskulatur heraus, besonders innenseitig am sogenannten Pes anserinus. Entsprechend ist die Muskulatur dieser anatomischen Strukturen mit zu untersuchen, ob Triggerpunkte vorhanden sind, die auch einen Schmerz verursachen, der in das Knie ausstrahlt. Auch sogenannte „latente Triggerpunkte“, die nicht offensichtlich an dem Schmerz beteiligt sind, können eine erhöhte Spannung an dem Sehnenansatz auf der Höhe des Gelenkspaltes erzeugen und sollten mitbehandelt werden.

Kniegelenks-Instabilität

Die meisten Kniegelenksinstabilitäten stellen sich nach schweren Verletzungen ein, bei denen es zu einem Riss der Bänder kommt. Gerade Unfälle, bei denen das Knie verdreht wird, können mit Bänderrissen einhergehen. Bei diesen Verletzungen kommt es meist zu einer sofortigen Schwellung und Schmerzhaftigkeit des Knies, und eine sofortige ärztliche Untersuchung ist angezeigt. Es handelt sich hierbei um eine strukturelle Störung, die unbedingt ausheilen sollte, um die Kniefunktion wiederherzustellen. In seltenen Fällen gibt der Patient ein „Instabilitäts-Gefühl“ an, bei dem allerdings keine echte Schwäche der Bänder vorhanden ist. Diese kann auch durch eine latente Schwäche der knieführenden Muskulatur, u. a. verursacht durch Schmerzpunkte, ausgelöst werden.

Kniegelenksarthrose

Das Kniegelenk unterliegt wie alle Gelenke typischen degenerativen Prozessen, die mit der Zeit zunehmen. Mit einfachen Worten kann man Arthrose auch mit Gelenkverschleiß gleichsetzen. Das Knie hat aber im Gegensatz z. B. zum Handgelenk die ständige Last des Körpergewichtes zu tragen. Dementsprechend ist es viel schwieriger zu schonen, sofern eine Beschwerdeproblematik des Kniegelenkes auftritt. Die Arthrose des Kniegelenkes ist weitverbreitet und nimmt im Laufe der Jahre zu. Bisherige Versuche mit medikamentösen oder operativen Verfahren diesen „Altersverschleiß“ aufzuhalten haben sich als wenig effektiv gezeigt. In Einzelfällen geben einige Patienten an von sogenannten Nahrungsergänzungspräparaten profitiert zu haben, aber in zuverlässigen Studien ist bisher kein Beweis des Nutzens dieser Mittel erbracht worden.

Hilfreich bei Knieschmerzen mit arthrotischen Veränderungen kann eine Entlastung sein, z. B. als sportliche Aktivität Radfahren anstatt Jogging, oder gymnastische Übungen mit dem Erhalt der Gelenkbeweglichkeit. Es hat sich in großen wissenschaftlichen Studien am Kniegelenk ebenfalls gezeigt, dass die Injektion eines Hyaloronsäurepräparates, einer Substanz, die der gesunde Knorpel auch selber als „Gelenkschmiere“ produziert, bei noch nicht allzu fortgeschrittenen Arthrosen des Kniegelenkes positive Effekte hinsichtlich des Schmerzes erzielt werden konnten.

Typisches Übertragungsschmerzmuster

Am sinnvollsten ist allerdings bei Knieschmerzen im Alter und bei Arthrose eine exakte Untersuchung der Schmerzursache durchzuführen. Hier hat sich in wissenschaftlichen Studien herausgestellt, dass selbst bei Patienten, die für eine Knie Total-Endo-Prothese (TEP) vorgesehen waren, durch eine gezielte Therapie der Schmerzpunkte (Triggerpunkte), eine so gute Verbesserung der Schmerzen und Kniefunktion erzielt wurde, dass bei der Mehrzahl der Patienten mittelfristig keine Knie-TEP mehr erforderlich war. Es hat sich gezeigt, dass man selbst bei Patienten, die eine mittelschwere bis fortgeschrittene Kniegelenksarthrose haben, die Schmerzen und die Gelenkfunktion durch eine gezielte Triggerpunkt-Therapie soweit verbessern kann, dass eine Knieoperation vom Patienten selber nicht erwünscht wird.

Sehnenansatzschmerzen



Therapieansatz myofasziale Triggerpunkte