Chronische Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen – der volkswirtschaftliche Schaden wird zwischen 15 und 30 Mrd. EUR jährlich geschätzt.

Tennisarm & Co

Ellenbogenschmerzen

Schmerzen in der Region des Ellenbogens zählen zu den häufigsten Beschwerden am Bewegungsapparat. Am bekanntesten sind die Krankheitsbilder des so genannten Tennisarms mit Symptomen am außenseitigen knöchernen Ellenbogen und des Golferellenbogens mit Symptomen am innenseitigen knöchernen Ellenbogen.

Tennisarm

Der Tennisarm ist wesentlich häufiger als der Golferellenbogen. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass die Streckmuskulatur des Unterarmes, die am außenseitigen knöchernen Ellenbogen (dem lateralen Epicondylus) ansetzt, praktisch bei allen Tätigkeiten der Hand aktiviert ist und daher nicht entspannen kann. Der Schmerz wird zunächst als Gelenkschmerz wahrgenommen, wie bei allen sogenannten Sehnenansatz-Tendinosen, bei denen es zu einem Reizzustand an den knöchernen Strukturen kommt, an denen die Muskulatur über die Sehnen am Knochen fixiert ist. Untersucht man aber nicht nur die offensichtlich schmerzhaften Sehnenansatz- und Gelenkstrukturen, dann erkennt man, dass die Muskulatur und vor allem Triggerpunkte in der Muskulatur in einem direkten Zusammenhang mit dem Krankheitsbild stehen. Im Besonderen bei chronischen Beschwerden ist eine erweiterte Diagnostik erforderlich, die auch weitere funktionelle Aspekte in die Untersuchung mit einbezieht.

Chronifizierung verhindern

„Was schnell kommt, geht auch schnell“. Dieser Grundsatz gilt auch für Ellenbogenschmerzen: Die akuten Symptome eines Tennis- oder Golferellenbogens ohne jegliche Einschränkung der Beweglichkeit stellen in der Regel kein Problem dar. Diese Beschwerden stellen sich oft nach einer Aktivität ein, die mit erhöhter Intensität ausgeführt wird und die Muskeln im Bereich des Ellenbogens deutlich überlastet, z. B. Heckeschneiden, Tapezieren oder Schrauben mit der Hand eindrehen. Nach einer akuten Überlastung hat das Muskel- und Sehnengewebe ein recht hohes Potential, sich von selbst zu regenerieren. In den meisten Fällen verschwindet der Schmerz innerhalb von wenigen Tagen von selbst. Bestehen die Beschwerden aber fort, ist eine Untersuchung nach sieben bis zehn Tagen angezeigt, denn es ist wichtig, einer Chronifizierung vorzubeugen. Nach einer genauen Diagnostik sollten die schmerzhaften Strukturen und gefundenen Triggerpunkte exakt behandelt werden. Chronische Schmerzen sind ein komplexes medizinisches Problem, das wesentlich schwieriger zu beeinflussen ist. Die Erfolgsraten bei einer Schmerzchronifizierung sind immer schlechter als bei akuten Schmerzen und die Therapien dauern immer bedeutend länger. Es gibt wenige Erkrankungen in der Orthopädie, die so undankbar zu behandeln sind wie der chronische Tennisarm, und die Tatsache, dass eine große Vielzahl an Behandlungsmaßnahmen als erfolgsversprechend in der medizinischen Literatur angegeben werden, deutet eher daraufhin, dass eine besonders geeignete Standard-Therapie eher noch nicht entdeckt worden ist.

Typisches Übertragungsschmerzmuster

Ellenbogenbeschwerden haben meist funktionelle Ursachen

Bei den meisten Ellenbogenschmerzen, bei denen die Gelenkbeweglichkeit normal ist, spielen bildgebende Verfahren eine untergeordnete Rolle und dienen vor allem zur Ausschlussdiagnostik einer strukturellen Schädigung. Sofern keine eindeutigen strukturellen Veränderungen die Funktion des Ellenbogens beeinträchtigen oder Schmerzen verursachen, sollten im Vordergrund der diagnostischen Überlegungen funktionelle Störungen stehen.

Bei chronischen Symptomen im Ellenbogen kann aufgrund der länger bestehenden Problematik eine Beeinträchtigung des gesamten funktionellen Gelenk-Komplexes einschließlich der angrenzenden Gelenke bestehen. In diesen Fällen ist eine umfassende Untersuchung, die vor allem die funktionellen Aspekte aber auch muskuläre und fasziale Strukturen berücksichtigt, sinnvoll. Wie bei der herkömmlichen orthopädisch-neurologischen Untersuchung wird auf Strukturen geachtet, die durch Bewegung oder mechanischen Reiz einen Schmerz produzieren, der dem Patienten bekannt vorkommt. Diese „Wiedererkennung“ ist von größter Bedeutung, da man davon ausgehen muss, dass eine entsprechend gereizte Struktur, wenn nicht gänzlich, doch zu einem Teil eine Ursache des Schmerzes ist. Es empfiehlt sich schon im Rahmen der Erstuntersuchung durch den Triggerpunkt-Therapeuten besonders auffällige Schmerzpunkte zu behandeln, um die folgende Entwicklung (auch während und kurz nach Therapie) diagnostisch mit zu bewerten.

Bewegungseinschränkungen? Lassen Sie sich untersuchen!

Eine Bewegungseinschränkung für die Beugung und Streckung und für die Umwendebewegung der Hand (Pronation und Supination) muss in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Jede akute Unfallverletzung, die einen starken Schmerz oder eine Bewegungseinschränkung verursacht, muss am besten in einer orthopädisch-unfallchirurgischen Ambulanz untersucht werden. Beschwerden in der Ellenbogen- und Armregion, die mit einem Taubheitsgefühl oder einer Abschwächung der Kraft einhergehen, bedürfen ebenfalls sofort einer medizinischen Abklärung.

Therapieansatz myofasziale Triggerpunkte