Wird in der deutschen Orthopädie zu viel operiert? Die sprunghaft steigenden OP-Zahlen legen die Vermutung nahe.

Orthopädische Operationen

Ganz ohne Zweifel haben orthopädische Operationen ihre Berechtigung. Sie sind hervorragende Errungenschaften der Medizin – wenn sie richtig eingesetzt werden. Doch bei Weitem nicht jede Operation ist tatsächlich notwendig. Das zeigen allein die Zahlen:

  • Binnen drei Jahren sind Bandscheibenoperationen um 28 Prozent gestiegen (Zahl von 2010).
  • 2010 wurden 46 Prozent mehr Hüftendoprothesen-Implantate gesetzt als 2002.
  • Zwischen 2005 und 2010 stieg die Gesamtzahl der Operationen am Bewegungsapparat um 34 Prozent, d.h. es wurden über eine Million Operationen mehr vorgenommen.


Kurz: In Deutschland werden zu viele Operationen am Bewegungsapparat vorgenommen. Das ist ziemlich unverständlich, sind doch chirurgische Eingriffe die komplikationsträchtigste und auch teuerste Behandlungsmethode.

Operation als letzte Behandlungsoption

Bei einigen Indikationen führt kein Weg an einer Operation vorbei, beispielsweise häufig bei akuten Erkrankungen, Verletzungen und kindlichen Fehlbildungen.

Bei chronischen Schmerzen am Bewegungsapparat hingegen sollten in der Regel erst alle Möglichkeiten der konservativen (nicht-operativen) Orthopädie ausgeschöpft werden. Denn insbesondere endoprothetische Operationen und Rückenoperationen bergen selbstverständlich auch Risiken. Neben der Vollnarkose und möglichen Komplikationen erfordern sie meist eine längere Rehabilitation. Künstliche Gelenke sind nie so belastbar wie die natürlichen. Und sie halten selbst unter sehr günstigen Bedingungen in der Regel 15 Jahre, bis sie ausgetauscht werden müssen. Dazu kommt: Bei Weitem nicht jede Operation macht den Patienten langfristig schmerzfrei. Denn Schmerzen können viele Ursachen haben, die sich oft gar nicht chirurgisch beeinflussen lassen.

Bildgebende Verfahren



Vermeiden von Operationen