Schmerzen des Bewegungsapparates werden zu einem hohen Prozentsatz durch Muskulatur und Faszien verursacht.

Schmerzen und Sport

Myofasziale Schmerzen sind ein sehr häufiger Grund für Beschwerden bei Sportlern, nicht nur bezüglich einer Schmerzhaftigkeit, sondern auch einer Minderung der Leistungsfähigkeit. Sowohl akut aber auch durch eine dauerhafte Überlastung, die viele Sportler anfangs noch kompensieren können, kommt es zu teilweise unterschiedlichen Beschwerden in den jeweiligen Körperregionen. Natürlich wird der Schmerz am häufigsten im Gelenk angegeben, aber wenn keine adäquate Unfallverletzung vorliegt, sollte auf jeden Fall auf das Vorhandensein von myofaszialen Triggerpunkten untersucht werden. Allerdings muss jede akute Verletzung medizinisch sinnvoll diagnostiziert werden. 

Im Folgenden wird besonders auf den Rückenschmerz beim Sportler eingegangen. Die sehr wichtigen Probleme des Sportlers bei Sehnenbeschwerden und bei Gelenkschmerzen, werden in den entsprechenden Kapiteln dargestellt.

 

Myofasziale Triggerpunkte als Ursache für Rückenschmerz im Sport

Akute oder chronische Rückenschmerzen sind ein häufiger Grund, sportliche Aktivitäten einzustellen. Bei Sportlern sind traumatische Rückenschmerzen, also durch Unfälle oder Verletzungen hervorgerufene Beschwerden, vergleichsweise selten. Viel häufiger schießen die Beschwerden akut ohne offensichtliche Ursache ein. Meist sind es typisch übertragene Schmerzen, die rückwärtig nach unten teilweise bis in die Beine ausstrahlen. Sie können einer pseudoradikulären Symptomatik ähneln, das heißt eine Schädigung der Nerven imitieren ohne dass diese beeinträchtigt sind. In den meisten Fällen ist auf herkömmlichen klinischen und bildgebenden Untersuchungsverfahren keine exakte Ursache für die Beschwerden ersichtlich. Oft wird daher von unspezifischen Rückenschmerzen gesprochen. Sollte im Kernspin-Bild ein Bandscheibenvorfall zu erkennen sein, dann ist zu beachten, dass selbst bei beschwerdefreien Menschen dieser in 30-78% vorkommt, und nicht die Ursache sein muss. Eine orthopädisch-neurologische Untersuchung kann dieses abklären

Häufige Ursache: Triggerpunkte in der Muskulatur

Die „Mainstream-Medizin“ erkennt die Muskulatur bisher nicht als spezifische Ursache für Schmerzen an. Dabei machen Muskeln immerhin 40 bis 50 Prozent der Masse des menschlichen Körpers aus und sind bei aktiven Sportlern oft überlastet. Dies beruht weniger auf dem Mangel an wissenschaftlichen Daten, die myofasziale Strukturen als schmerzverursachendes Gewebe ausmachen. Vielmehr konzentriert sich die gängige Diagnostik auf knöcherne und gelenkige oder Strukturen oder die Bandscheiben, die reproduzierbar bildgebend dargestellt werden können. Sofern die Muskulatur mit in den Fokus der diagnostischen Betrachtung bei Schmerzen genommen wird, werden myofasziale Triggerpunkte in 30-93% der Fälle festgestellt, bei Rückenschmerzen sogar bis zu 96%. Es scheint, dass sowohl in der Diagnostik als auch der Therapie von Schmerzen am gesamten Bewegungsapparat (engl. Musculo-Skeletal-System) und im Besonderen beim Sportler, die Muskulatur mit als Schmerzursache in Betracht gezogen werden sollte.

Diagnose

Am Anfang jeder Rückenschmerzdiagnostik steht die ausführliche Anamnese, eine orientierende neurologisch-orthopädische Untersuchung sowie die eingehende palpatorische Triggerpunkt-Untersuchung. Bildgebende Verfahren sind nur bei entsprechender (in der Regel seltener) Indikation erforderlich. Die profunde Palpation, die Tastuntersuchung, ist Voraussetzung für das Auffinden und die exakte Lokalisation von myofaszialen Triggerpunkten. Die Triggerpunkte sind dabei nicht wie die klassischen Akupunkturpunkte an anatomisch definierter Position aufzufinden. Sie sind vielmehr individuell in den myofazialen Strukturen verteilt. Oft liegen die Triggerpunkte mitten im Muskel (im Muskelbauch). Beim akuten Rückenschmerz ist sehr häufig die vordere seitliche Rumpfmuskulatur beteiligt. Beim chronischen Rückenschmerz finden sich praktisch immer aktive Triggerpunkte in der tiefen Gesäßmuskulatur (Musculus gluteus medius und minimus) und der tiefen Bauchmuskulatur. (Musculus quadratus lumborum). Diese sind in vielen Fällen für die Iliosakralgelenk-Blockierungs-Symptomatik und ischialgieformen Beschwerden verantwortlich. Als sehr hilfreich für die spezifische Untersuchung hat sich die fokussierte Stoßwelle erwiesen, die auch in größerer Tiefe exakt die Triggerpunkte auffinden kann, und über die Wiedererkennung (exakte Reproduktion der meist ausstrahlenden Schmerzen) die Beteiligung der myofaszialen Strukturen dem betroffenen Sportler unmittelbar darstellt. Dieses Prinzip der Diagnostik gilt praktisch bei allen myofaszialen Triggerpunkten und in jeder Körperregion.

Therapie

Ziel der Behandlung beim myofaszialen Schmerzsyndrom ist es, die myofaszialen Triggerpunkte zu lösen.

Dazu werden folgende reflektorische Techniken oder mechanische Verfahren eingesetzt:

  • Physiotherapeutische Behandlungen: Massagen, die auf den Muskeltonus und den Schmerz abzielen und reflektorische Techniken, die die myofaszialen Triggerpunkte und die umliegenden bindegewebigen Verklebungen lösen
  • Fokussierte extrakorporale Stoßwellen (fESWT) insbesondere für tiefere Muskelschichten
  • Invasivere Therapien: Dry Needling und die Triggerpunktinfiltration mit einem Lokalanästhetikum

 

 

Sehnenansatzschmerzen



Bildgebende Verfahren



Vermeiden von Operationen